Humboldt Universität zu Berlin, Institut für Bibliothekswissenschaft 

Wandel der Informationsdienstleistung durch elektronisches Publizieren

von Gerrit Gragert

Überblick

  1. Was ist elektronisches Publizieren ?
  2. Die Informationsdienstleistung im Wandel durch elektronisches Publizieren
  3. Zukunft des elektronischen Publizieren
  4. Anhang

Was ist elektronisches Publizieren ?

Begriffsklärung

Gerade Menschen aus der Computerbranche sprachen bei der Einführung erster elektronischer Publikationen von einem Schritt vergleichbar mit der Erfindung des Buchdruckes. Doch von allen kommerziellen Sichtweisen befreit wird deutlich, daß es sich beim elektronischen Publizieren immer noch um das gleiche Publizieren wie in Büchern oder Zeitschriften handelt, nur die Form und der Datenträger ein anderer geworden ist.

 Um also elektronisches Publizieren definieren zu können, muß man von dem bisherigen Begriff des Publizierens ausgehen. Zunächst einmal ist der auf den ersten Blick banal erscheinende Aspekt zu beachten, daß Publizieren auf ein mehr oder weniger anonymes Publikum ausgerichtet, also im besten Sinne des Wortes als öffentlich zu betrachten ist. Dokumente für den internen Gebrauch in Forschungseinrichtungen fallen demnach nicht unter den Begriff Publikation.

 Ein zweiter Punkt, der auch auf "herkömmliche" Publikationen zutrifft, liegt in dem indirekten Charakter einer Publikation begründet: ein Dokument wird am Arbeitsplatz des Wissenschaftlers verfaßt und zur Verwertung angeboten. An einem anderen Ort in der Welt und i.d.R. sehr viel später wird diese Publikation gelesen und dient evtl. als Grundlage für eine neue Publikation (der Konsument der Publikation wird zum Autor einer neuen). So entsteht eine indirekte fachliche Kommunikation mittels Dokumenten, und die Autoren tauschen Argumente aus, ohne sich vielleicht jemals zu Gesicht zu bekommen oder auch nur einmal miteinander gesprochen zu habe.

 Gerade für elektronische Publikationen ist es auch wichtig, daß die Publikation einem Selektionsprozeß unterliegt. Dies ist bereits bekannt z.B. bei Publikationen in Zeitschriften, bei denen eingereichte Artikel vor ihrer Veröffentlichung auf Richtigkeit und Qualität von fachkundlichen Gutachter überprüft und im Falle einer negativen Begutachtung sogar zur Veröffentlichung abgelehnt werden1. Diesen Selektions und mitunter auch Veredelungsprozeß übernehmen die Verlagen, die als publikatorischer Transmissionriemen zwischen Autor und Leser zwischengeschaltet sind. Fehlt dieser, so zeigt es die aktuelle Entwicklung im Internet, wo "Publizieren" von Dokumenten für jedermensch ohne grö&szlg;ere technische Vorkenntnisse möglich ist, führt dies schnell zu einer Informationsflut ungewisser Güte. Das hier auch Fachkreise skeptisch reagieren ist auch an den geringen Zitationszahlen elektronischer Dokumente auszumachen.

 Nun zu einem Punkt, der elektronische Publikationen von Printpublikationen im wesentlichen Unterscheidet: eine elektronische Publikation liegt in digitaler Form vor. Das Dokument existiert also als File, als eine Abfolge von Bits. Das diese Files wieder auf einem Datenträger gespeichert seien müssen, also auch ein spezielles Medium benötigen, spielt keine Rolle. Auch eine auf Papier ausgedruckte Bitfolge wäre eine elektronische Publikation.

 Anders als z.B. im Fernsehen, bei dem ein Bericht zu einer bestimmten Zeit gesendet wird, ist ein Wesen einer Publikation die Zeitpunktunabhängigkeit ihrer Nutzung. Der Konsument ist i.d.R. frei von zeitlichen Zwängen, d.h., er kann die Publikation lesen wann er will. Dies involviert die dauerhafte Zugänglichkeit einer Publikation, eine mitunter problematische Bedingung, wie es die Betrachtungen in den Punkten Elektronische Publikationen in Informationsvermittlungsstellen und Weiterentwicklung, Tendenzen zeigen werden.

 Von vielen als großer Nachteil elektronischer Publikationen betrachtet, ist die Notwendigkeit von technischen Hilfsmitteln, um Zugang zum Dokument zu erhalten. Bestimmte Hard- und Software sind hier meist Voraussetzung.

 Fast trivial erscheint die Forderung, daß eine elektronische Publikation mittels eben elektronischer Verfahren erstellt wurde und elektronisch gespeichert wird. Im Idealfall ist eine elektronische Publikation ein Dokument, welches niemals z.B. auf Papier gedruckt wurde.

 Anhand dieser Eigenschaften und Charakteristika läßt sich folgende Definition einer elektronischen Publikation entwerfen [1]:

 
Elektronisches Publizieren umfaßt öffentliche Formen indirekter Kommunikation über anerkannte Kanäle von derzeit vorwiegend textlichen und grafischen Informationen in digitaler Form, für deren zeitpunktunabhängigen Gebrauch gesorgt ist und für deren Nutzung Hardware und Software nötig sind; vorausgesetzt sind elektronische Dokumenterstellung und -speicherung. 

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Elektronische- und Printpublikationen im Vergleich

Elektronisches Publizieren findet nur dort seinen Einzug, wo es auch die Bereitschaft zum Einsatz dieser Möglichkeit gibt. So sind sicherlich Wissenschaftler aus naturwissenschaftlich-technischen Bereich offener für das elektronische Publizieren als Geisteswissenschaftler. Hinzu kommt, daß ein Entscheidungsfaktor zum Einsatz elektronischer Publikationen deren fallbezogener Vorteil gegenüber Printpublikationen ist. So tendiert z.B. ein Chemiker, der in einem Dokument ein Molekül beschreibt, wahrscheinlich eher zum Einsatz elektronischer Publikationsformen, weil er mit diesen Mittel das Molekül als dreidimensionale Grafik darstellen und evtl. vom Leser nach belieben drehen und wenden lassen kann. Ein Historiker dagegen sieht sich mit solchen Problemen nicht konfrontiert. Für ihn reicht i.d.R. der reine Text, um einen Sachverhalt darzustellen. Darum ist es auch von Disziplin zu Disziplin sehr unterschiedlich, inwieweit bereits auf elektronischen Wege publiziert wird.

 Anteil elektr. Publikationen nach Bereichen Um dies zu untersuchen, erstellte die Europäische Kommission im Jahre 1993 eine Studie, die den Anteil von elektronischen Publikationen an bestimmten Buchmarktsegmenten im Jahre 2000 prognostiziert (Grafik rechts). Bei den Nachschlagewerken (Lexika, Wörterb&uumlcher etc.) schätzte man einen Anteil von 15-25%. Den größten Anteil an elektronischen Publikationen wird jedoch dem Bereich Wissenschaft, Technik, Medizin vorausgesagt, sicherlich auch wegen oben beschriebener Vorteil im Vergleich zu den Printpublikationen. Im Rechtsbereich liegen die Schätzungen wieder bei 15-25%. Demnach entwickelt sich das Voranschreiten des elektronischen Publizierens eher mittel- bis langfristig. Die herkömmlichen Publikationen werden vorerst die Oberhand im Publikationsgeschehen behalten.

 




Umsatz Print-/elektr. Publikationen Deutlich wird dies auch in den Umsatzzahlen von gedruckten Informationen und solchen, die Online bereitgestellt wurden. Die Grafik links visualisiert die Zahlen für die Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 1994 in US-Dollar. In diesem Jahr wurden knapp 30 Mrd. $ mit Printpublikationen erwirtschaftet, mit Online-Informationen hingegen nur 0,6 Mrd $. Dies ist ein Verhältnis von 1:50. Im Vergleich weisen die USA im selben Jahr für die gleichen Segmente ein Verhätnis von 1:12,5 auf (ca. 100 Mrd. $ für gedruckte Informationen gegenüber ca. 8 Mrd $ Online- Informationen). Diese Zahlen machen deutlich, daß wir um unsere Bücher noch nicht fürchten müssen und die papierlose Gesellschaft noch mehr Vision als reelle Entwicklung darstellt.

 

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Historie des elektronischen Publizierens

Die Entwicklung des elektronischen Publizierens ist eng verknüpft mit der Entwicklung der Computertechnik und läßt sich in vier Phasen unterteilen:

 

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Die Informationsdienstleistung im Wandel durch elektronisches Publizieren

Neue Publikationsformen und -möglichkeiten

Die Frage, warum elektronische Publikationen die Informationsdienstleistung wandeln, läßt sich sehr einfach beantworten: neue Publikationsformen erfordern auch neue Methoden der Erschließung und Vermittlung. Darum ist es zunächst sinnvoll, sich die neu entstandenen Publikationsformen zu betrachten und ihre Möglichkeiten auszuleuchten. Folgendes Kategorienschema läßt sich dabei ausmachen:

 

  1. Online- bzw. CD-ROM-Verzeichnisse, Kataloge und Bibliographien
  2.  Beispiele:

     

    Diese Publikationen haben gegenüber ihrer Printversion vor allem den Vorteil, daß die gezielte Suche nach Informationen wesentlicher einfacher und schneller und auch komplexer (durch die Verknüpfungsmöglichkeiten mehrer Suchkriterien etc.) gestaltet ist. Und ist ersteinmal z.B. das gesuchte Buch gefunden, kann es - sofern dieser Service angeboten wird - auch gleich online bestellt werden.

     

  3. Nachschlagewerke auf CD-ROM oder im WWW
  4.  Beispiele:

     

    Die Vorteile elektronischer Publikationen in diesem Bereich liegen darin, daß multimediale Elemente die Darstellung bestimmter Sachverhalte anschaulicher machen können. So kann z.B. ein Musikstück von Beethoven in einer Printversion höchstens als Notenbeispiel dargestellt werden, in der elektronischen Version jedoch die Musik als solche erklingen. Die elektronische Form überbrückt auch die Grenzen zwischen den einzelnen Dokumenten, da das Einbinden von Texten oder auch multimedialen Elementen in andere Dokumente äßerst einfach ist. Liegt die Publikation zudem online vor, hat dies noch den Vorteil, daß sie ständig aktualisiert werden kann.

     

  5. Zeitungen und Zeitschriften auf CD-ROM oder im WWW
  6.  Beispiele:

     

    Die Online-Angebote sind oftmals nicht nur einfache elektronische Abbilder der Print- Ausgabe, in vielen Fällen ergänzen sie sie oder sind sogar vollkommen eigenständige Ausgaben mit eigenen redaktionellen Beiträgen. Vorteil hier ist auf jeden Fall die Schnelligkeit im Publizieren, die hin bis zur Minutenaktualität reichen können. Jahresarchive der Zeitungen und Zeitschriften sind zum einen kompakt und nehmen wenig Platz ein, zum anderen ermöglichen sie eine vielfältige Suchmöglichkeit.

     

  7. Elektronische Bücher, Hypertexte, Lernsoftware etc.
  8.  Beispiele:

     

    Hier wirkt sich u.a. der Einsatz von Hypertexten zur Verknüpfung von einzelnen Teilen einer Publkikation positiv aus. Wiederum kann der Einsatz von Multimedia die Anschaulichkeit erhöhen oder - auch durch die Interaktivität - im Bereich der Kinderbücher einen altersgerechten Zugang zu der Publikation ermöglichen. Ebenso stechen wieder vorteilhaft die Suchmöglichkeiten sowie die einfache Übernahme von Fremdtexten in die eigene Publikation (natürlich unter Wahrung der Urheberrechte) hervor.

     

  9. Informationspakete
  10.  Beispiele:

     

    Durch die im Vergleich zu Papier relativ hohe Speicherkapazität elektronischer Datenträger kommt hier vor allem zum Tragen, daß viele Informationen auf wenig Platz untergebracht werden können. Somit ist es auch ohne große Schwierigkeiten möglich, neben den "Kerninformationen" weitere Informationen anzubieten. So könnte z.B. auf der genannten Bibel-CD-ROM noch Landkarten, historische Informationen, Bilder etc. mit untergebracht werden. Das sich hier auch sehr leicht ein Bibelzitat finden läßt, liegt auf der Hand.

     

  11. Vernetzte Publikationsangebote
  12.  Beispiele:

     

    Gerade bei Onlinedokumenten und -publikationen besteht nun die Möglichkeit, die Dokumente - mitunter weltweit - zu verknüpfen. So können Zitationen in einer elektronischen Zeitschrift als Link zur WWW-Homepage des Zitierten führen oder - wenn das Zitat aus einem elektronischen Dokument stammt - direkt zu dem erwähnten Artikel. Langwierige Recherchen werden somit überflüssig.
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Neue Wege der Fachkommunikation

Die neuen Publikationsformen und Publikationsmöglichkeiten eröffnen auch neue Wege in der Kommunikation von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen untereinander, in der Fachkommunikation allgemein. Genauer gesprochen kann man sagen, der Publikationsprozeß wird dynamischer, vernetzt und kooperativer. Wie genau die neuen Publikationsmöglichkeiten auf die Fachkommunikation einwirken, sei im Folgenden dargestellt.

 Die Dynamik im Publikationsprozeß entsteht schon vor der Veröffentlichung im Begutachtungsprozeß. In kürzester Zeit können theoretisch über die ganze Welt verstreute Gutachter ein Dokument lesen und ihre Kommentare dem Autor zukommen lassen, der - ebenfalls in sehr kurzer Zeit - das Dokument korrigieren kann. Dies setzt sich auch nach der Veröffentlichung fort, wenn Leser der Publikation dem Autor ihre Kommentare und Meinungen senden können und dieser ohne großen Aufwand und schnell darauf antworten kann. Dadurch, daß sich die Publikation nicht auf Papier manifestiert hat, können auch Errata oder Korrekturen am Artikel im weiterlaufenden Publikationsprozeß veröffentlicht bzw. angebracht werden.

 Das Hypertextkonzept an sich beinhaltet auch schon die Vernetzung der einzelnen Dokumente. Da es keine Rolle spielt, wo die Dokumente nun abgelegt sind, und auch nicht, von welchem Typ (ob Text oder Bild o.a.) sie sind, können einzelne Publikation z.B. mittels Referenzen, Zitationen oder Informationen zu Personen verknüpft werden. Auch sog. Document-Delivery-Systeme können zur sofortigen Online-Bestellung mit in die Publikationen eingebunden werden.

 Zeitschriftenartikel z.B. waren auch schon immer ein wichtiges Mittel zur fachlichen Kooperation, vor allem wenn Versuchsaufbauten oder Meßreihen dargestellt wurden, damit andere Wissenschaftler die Ergebnisse reproduzieren konnten. Die neuen Möglichkeiten erweitern auch hier den Kreis der denkbaren Kooperation. So können nun z.B. beschriebene bzw. entwickelte Computerprogramme angeboten werden, Meßreihen in elektronischer Form dargeboten und Programme zur Bearbeitung selbiger bereitgestellt werden. So wird die Publikation zur Tele-Kooperation.

 

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Elektronische Publikationen in Informationsvermittlungsstellen

Um nun zu verdeutlichen, welche Veränderungen und auch welche Probleme es gibt, wenn eine Informationsvermittlungsstelle elektronische Publikationen im Rahmen ihrer Dienstleistung anbietet, sei beispielhaft die Bibliothek der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich betrachtet, die ihren Nutzern elektronischer Fachzeitschriften als Informationsquelle anbietet [3].

 Voraussetzung für das Angebot von wissenschaftlichen Zeitschriften sind zunächst die nötigen Lizenzen, die die Bibliothek bei den jeweiligen Verlagen einholen bzw. aushandeln muß. Dann können die Zeitschriften campusweit via Internet angeboten werden. In Zürich wird die Zugriffsberechtigung über die IP-Domäne 6 ethz.ch kontrolliert. Dies hat den Vorteil, daß ein umständliche Anmeldeprozedur mit Nutzerkennung und Paßwort entfällt und somit eine Hemmschwelle weniger bei der Nutzung elektronischer Zeitschriften besteht.

 Weiterhin hat sich die Bibliothek der ETH Zürich dazu entschloßen, die Volltexte der Zeitschriften bei den Verlagen zu belassen und diese nicht selbst im eigenen lokalen Netz noch einmal abzuspeichern. Dies spart der Bibliothek die nötigen technischen Ressourcen, stellt aber auch eine starke Abhängigkeit von den Verlagen her. Außerdem geht dadurch auch die strenge Bestandsorientierung einer Bibliothek verloren.

 Zugriff auf die einzelnen Zeitschriften gewährt die Bibliothek über eine spezielle Homepage. Dort findet sich eine alphabetische Liste aller angebotenen Zeitschriften und die zugehörigen Links zu den jeweiligen Servern der Verlage. Außerdem werden Informationen über die zeitschriftenspezifischen Zugangsbestimmungen zum Abrufen bereitgehalten. Ist der Titel einer Zeitschrift nicht genau bekannt, besteht auch die Möglichkeit einer Stichwortsuche im Titelfeld. Abschließend sind noch Kontaktadressen bei der ETHZ-Bibliothek angegeben, an die man sich in Problemfällen oder mit Verbesserungsvorschlägen wenden kann.

 Eine weitere Recherchemöglichkeit ist dadurch gegeben, daß die Elektronischen Zeitschriften auch im OPAC der ETHZ-Bibliothek erfaßt werden. Die URL der jeweiligen Zeitschrift wird dann als Fußnote in die Titelaufnahme mit aufgenommen und gleich so "verlinkt", daß auch direkt vom OPAC zur Zeitschrift gesprungen werden kann.

 Wie bereits erwähnt, bringt diese Art der Informationsdienstleistung auch neue Probleme mit sich:

Diese Probleme bedürfen der Klärung, wie dies z.T. auch schon angedacht wurde oder wird. Darum soll im abschließenden Teil kurz betrachtet werden, wohin sich das elektronische Publizieren entwickelt.
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Zukunft des elektronischen Publizieren

Weiterentwicklung, Tendenzen

Wie bereits erwähnt, liegt eines der dringensten Problem in der Entwicklung geeigneter Archivierungsstrategien für elektronische Publikationen. Es muß sich zeigen, ob hier die CD-ROM oder die neue DVD ein geeignetes Medium ist oder ob der Beibehalt papierbasierter Archivierung vorzuziehen ist. Vor allem wird auch die Haltbarkeit der jeweiligen Medien eine Rolle spielen.

 Des weiteren ist man dabei, Mittel und Wege zu finden, die Zitierbarkeit elektronischer Publikationen zu verbessern. Hier werden vor allem zwei Ziele verfolgt:

  1. Eine einheitliche Beschreibung elektronischer Dokumente erreichen. Ein wesentlicher Lösungsansatz ist hierbei das Dublin Core Metadata Element Set 7
  2.  

  3. Eine dauerhafte Adressierung elektronischer Dokumente erreichen. Dies soll das Problem der ständig wechselten URLs lösen und eine quellensichere Zitierung ermöglichen. 8
Weiterhin ist das noch recht neue Medium in der wissenschaftlichen Kommunikation zu etablieren. Nicht zuletzt die unkontrollierbare Flut an elektronischen Publikationen z.B. im Internet tragen zu einer berechtigten Skepsis die Qualität betreffend bei. Hier muß durch überzeugende Qualitätsmaßstäbe Vertrauensarbeit geleistet werden.

 Wichtig ist bei elektronischen Publikationen auch immer, daß die auf Standards beruhen, damit alle beteiligten Computer sie darstellen können. Hier ist man z.T. dabei, bereits bestehende Standards wie SGML (Standard Generalized Markup Language) speziell für Anforderungen im Verlagsbereich anzupaßen.

 Als Tendenzen lassen sich der Trend zur elektronischen Ergänzungspublikation ausmachen. Zu einer bestehenden Printpublikation wird eine elektronische Ausgabe erstellt, die nicht bloß eine Replikation darstellt, sondern vielmehr die Printpublikation mit den ihr möglichen Mitteln weitesgehend ergänzt.

 Da fast jeder heute mit dem Computer arbeitet, ist eine andere sehr starke Tendenz zur elektronischen Publikation ohne Medienbruch, d.h., das Dokument manifestiert sich in seinem gesamten Entstehungsprozeß nie auf Papier, sondern existiert nur in elektronischer Form.

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Grenzen

Wo findet das elektronische Publizieren seine Grenzen? Sicherlich darin, daß eine gewisse Anarchie im Publizieren, wie sie aufgrund der Einfachheit, mit der man elektronisch Publizieren kann, eher kontraproduktiv ist. Dadurch wird die Masse an Informationen schnell zu einer Informationsflut unabschätzbarer Qualität. Darum ist es unerläßlich, daß Verlage oder ähnliche Institutionen bestehen bleiben, um die Qualität auf dem Publikationsmarkt zu gewährleisten. Unser heutiges Publikationssystem wird sich also nicht zurückentwickeln, es wird eher noch komplexer werden, als es bisher schon ist. Mit dieser Erkenntnis sollte auch die Illusion begraben werden, daß eines Tages Informationsfreiheit nicht nur gesetzmäßig, sondern auch monetär besteht, also daß Informationen kostenlos zu erhalten sind.

 Um nun als Fazit auf den Anfang zurückzukommen, läßt sich feststellen, daß elektronisches Publizieren keine Revolution darstellt, sondern eher eine Verschiebung in der Aufgabenkonstellation zwischen Autor - Verlag - und Nutzer ist. Der Autor wird schon bei der Entstehung seines Dokument mehr als bisher mit dem Erscheinungsbild der Publikation zu tun haben, während der Nutzer sich mehr "auf das Dokument zubewegt" und auch durch die erweiterten Kommunikationskanäe einen größeren Einfluß auf die (mitunter bereits bestehende) Publikation hat. Somit trägt er auch selbst zur Qualitätssicherung bei.

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Anhang

Quellen

[1] Grundlagen der praktischen Information und Dokumentation : ein Handbuch zur Einführung in die fachliche Informationsarbeit / Marianne Buder ... (Hrsg.) Begr. von Klaus Laisiepen ... - 4., völlig neu gefasste Ausg. - München ; New Providence ; London ; Paris : Saur, 1997. - ISBN 3-598-11310-2

 [2] Noreck, Sabine
Die elektronisch wissenschaftliche Fachzeitschrift : Entwicklung, Stand und Perspektive einer nutzergerechten Gestaltung / Sabine Noreck.- Aus: NfD 48 (1997), S. 137-149

 [3] Keller, Alice
Elektronische Zeitschriften in Bibliotheken : Ein Erfahrungsbericht aus der ETH-Bibliothek / Alice Keller.- Aus: NfD 48 (1997), S. 131-136

 

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Fußnoten

1 Im strengen Sinne der Definition ist also dieses Dokument, obwohl es in elektronischer Form vorliegt und öffentlich zugänglich ist, keine elektronische Publikation, weil es nicht einer Qualitätskontrolle unterlag.

 2 Hier gibt es eine Vielzahl von OPACs mit einem Zugang über das World Wide Web. Ein Übersicht über Deutsche Bibliotheken Online bietet das Hochschulbibliothekszentrum des Landes Nordrheinwestfalen (HBZ).

 3 Einige elektronische Zeitschriften als Beispiel:

4 Ohne Schleichwerbung machen zu wollen: Der Systema-Verlag ist für seine Kinderbücher auf CD-ROM recht bekannt. Auch Ravensburger hat sehr gute CD-ROMs dieser Art im Angebot.

 5 Diese Publikation wurde am Institut für Bibliothekswissenschaft erstellt und ist bei Deutschen Bibliotheksinstitut erhältlich.

 6 Jeder Rechner im Internet hat eine eigene Nummer (IP-Adresse [IP = Internet Protocol]), über die er identifiziert werden kann. Diese setzt sich aus verschiedenen Gruppen (Domains) zusammen. Alle Rechner einer Domain habe die gleiche Domain-Adresse und können über diese einer Institution zugeordnet werden.

 7 Nähere Information zum Dublin Core unter http://purl.org/metadata/dublin_core

8 Hier soll das Konzept der Persistent Uniform Resource Locator PURL dienlich sein.

 

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Autor: Gerrit Gragert
Erstellt am: 01.02.1998
Zuletzt geändert: 07.06.1999
E-Mail: gerrit@gragert.de